Aufführungen der Landesbühne Niedersachsen-Nord GmbH
in der Theodor-Thomas-Halle, Walpurgisstraße, Esens.

Ein besonderer Dank geht an die Theaterfreunde Esens für ihre tatkräftige Unterstützung.




Dienstag, 08.05.2018, 19.30 Uhr

YVONNE, PRINZESSIN VON BURGUND von Witold Gombrowicz

Am Hofe König Ignaz´ ist alles wie sonst. Eben noch wurde das Untergehen der Sonne bewundert und ein Spaziergang im Park beschlossen, um sich am Nationalfeiertag mit dem Volk zu verbrüdern. Hauptsache, man ist rechtzeitig zum Abendessen wieder im Schloss.

Da schickt Prinz Philipp mit den Worten „Ich wünschte, es würde etwas passieren!“, ein Stoßgebet gen Himmel – und sie erscheint. Yvonne, ein unscheinbares, schweigendes, schüchternes und apathisches Mädchen, der Schrecken aller Schwiegermütter. Fasziniert von dieser personifizierten Provokation beschließt Prinz Philipp, sie zu heiraten. Welch ein Skandal!

Die stumme, ängstliche Gegenwart ihrer vielfältigen Defizite führt dazu, dass jedem seine eigenen Mängel, Schmutzigkeiten und kleinen Sünden zu Bewusstsein kommen. Der Hof verwandelt sich zusehends in eine Brutstätte von Psychopathen. Nicht lange, und in jedem Bewohner des Hofes gärt der Wunsch, diese unausstehliche Zimperliese zu ermorden.

Der polnische Dichter Witold Gombrowicz ist einer der bedeutendsten Autoren der Moderne und gehört zu den großen Außenseitern und Provokateuren der Weltliteratur.







Die Termine für die folgenden Aufführungen werden in Kürze bekanntgegeben

Theodor Storm

DER SCHIMMELREITER

Der friesische Bauernsohn Hauke Haien ist besessen von der Wissenschaft des Deichbaus. Tage und Nächte verbringt er draußen am Meer und schaut den Wellen dabei zu, wie sie in die Kleierde beißen. Als der Deichgraf stirbt, erhält Haus dessen Amt und heiratet seine  große Liebe Elke. Als neuer  Deichgraf will er nun seinen ehrgeizigen Plan einer Sanierung  des alten Deiches umsetzen, um das Land endlich besser gegen die Sturmfluten der Nordsee zu schützen. Doch er hat nicht mit der Trägheit und dem Starrsinn der Dorfgemeinschaft  gerechnet. Hin- und hergerissen zwischen Realität und Spuk, Aufklärung und Aberglauben, ignoriert Hauke schließlich alle Gegenargumente und setzt den Bau des Deiches ohne Rücksicht durch. Die Macht des Irrationalen unterschätzend, wird ihm jedoch das Meer, dem er die ganze Zeit trotzt, zum Verhängnis …

Theodor Storms 1888 erschienene Novelle gehört zum festen Kanon der deutschen Literatur und ist weit mehr als nur das berühmte nordische Schauermärchen über die große Sturmflut an der nordfriesischen Küste.

 

Christopher Hampton

GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN

Marquise de Merteuil hat eine Rechnung mit ihrem ehemaligen Liebhaber Gercourt zu begleichen. Dieser will die junge Klosterschülerin Cécile heiraten. Deshalb muss – nach Merteuils Plan – Cécile verführt und noch vor der Hochzeit entjungfert werden. Der für seine Verführungskünste berühmte Vicomte de Valmont soll diese Aufgabe übernehmen. Als Gegenleistung fordert er eine Liebesnacht mit der Merteuil.

Aber Valmont verfolgt noch seinen eigenen Plan: Er will die verheiratete, strenggläubige und hochmoralische Madame de Tourvel verführen. Als ihm beide Frauen zu Füßen liegen, fordert er von Merteuil den versprochenen Tribut. Doch die Marquise verweigert sich dem Verführer und zettelt eine neue Intrige gegen Valmont selbst an …

Das Erscheinen des Briefromans GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN von Pierre-Ambroise-Francois Choderlos de Laclos 1782 wurde von zahlreichen Skandalen begleitet. Königin Marie Antoinette las ihn heimlich, mit falschem Buchumschlag. Lange zur Erotik und nicht zur Literatur gerechnet, zeigt der Stoff ein Kräftemessen zwischen zwei intelligenten Verführern, die sich durch perfide Spiele mit den Gefühlen anderer Menschen einen zerstörerischen Machtkampf liefern.

 


William S. Burroughs / Tom Waits / Robert Wilson

BLACK RIDER – THE CASTING OF THE MAGIC BULLETS

Wilhelm hat sich in die Förstertochter Käthchen verliebt, doch deren Vater will ihre Hand nur einem treffsicheren Schützen versprechen, wie zum Beispiel dem Jägerburschen Robert. Obwohl Wilhelm sich nicht leicht geschlagen geben will, scheitern alle seine geheimen Schussversuche kläglich. Doch in seiner verzweifeltsten Stunde kommt ihm ein mysteriöser Stelzfuß mit Zaubergeschossen zu Hilfe – Kugeln, die niemals ihr Ziel verfehlen! Der einzige Haken: Das Ziel der letzten Kugel kann er nicht selbst bestimmen. Aus Ehrgeiz und für sein geliebtes Käthchen willigt Wilhelm in einen teuflischen Pakt ein …

Die Freischütz-Sage erlangte bereits durch Carl Maria von Webers Oper Weltruhm. Knappe 170 Jahre später wagte sich die Rocklegende Tom Waits an den gleichen Stoff. Herausgekommen ist eine ungeheure Bandbreite an Musikstilen, die auf einzigartige und effektvolle Weise miteinander verschmelzen und die klassische Musical-Musik weit hinter sich lassen. Ein spektakulärer Höllenritt, der seit 1990 überall Erfolge feiert.


Bov Bjerg

AUERHAUS

Eine Erinnerung an eine Jugend, wie sie viele hatten und haben. Schulstress, Liebeskummer, Hühner, Kühe, Mofas und tödliche Langeweile. Eine Jugend auf dem Land, irgendwo vor dem gefühlten Ende der Welt links, Doch plötzlich passiert etwas: Frieder schluckt Schlaftabletten.

Als er aus der Psychiatrie entlassen wird, zieht er mit seinem besten Freund Höppner in das Haus des Großvaters, das seit dessen Tod leer steht – die Ärzte halten es für besser, wenn Frieder nicht mehr bei seinen Eltern wohnt. Auerhaus, wie es ein des Englischen nicht mehr mächtiger Nachbar nennt – in der WG-Küche läuft „Our House“ von Madness in Endlosschleife – wird zum kreativen Zufluchtsort vor dem ortsüblichen Lebensschema „Birth – School – Work – Death“.

Bov Bjerg erhält in seinem gleichnamigen Bestsellerroman eine mitreißende und einfühlsame Geschichte von Liebe und Freundschaft und über die Macht der Kreativität. AUERHAUS ist ein Loblied auf die Provinz und zugleich eine schmerzhafte Abrechnung mit ihr.

 

Anton Tschechow

DER KIRSCHGARTEN

Soeben von einem mehrjährigen Paris-Aufenthalt auf ihr idyllisches Gut in der russischen Provinz zurückgekehrt, findet die Lebefrau Ljubow Ranjewskaja ihr einst prachtvolles Anwesen in einem desolaten Zustand vor. Die Bäume sind krank, das Haus zerfällt, das Investitionskapital ist aufgebraucht. Der alte und weithin berühmte Kirschgarten droht vollends seinen Wert zu verlieren. Pleitegeier und Investitionsritter liegen schon auf der Lauer und warten auf die einzig vernünftige Entscheidung: Man muss verkaufen. Sofort. Spätestens morgen.

Doch die Ranjewskaja und ihre zwei Töchter Warja und Anja zieren sich. Zu sehr hängen sie an der Vergangenheit, am Idyll der Kindheit. Sie wollen sich nicht von ihren Erinnerungen trennen, nicht von den Menschen, deren Leben und Schicksale mit dem Kirschgarten verbunden sind.

Anton Tschechow schrieb DER KIRSCHGARTEN 1903 als tragikomische Parabel über die Vernichtung der Tradition und den unaufhaltsamen, alles vereinnahmenden Siegeszug der Moderne.





Nick Whitby nach dem gleichnamigen Film von Ernst Lubitsch

SEIN ODER NICHTSEIN

Polen während des zweiten Weltkriegs. Am Polski-Theater steht „Hamlet“ mit dem gefeierten Josef Tura in der Hauptrolle auf dem Spielplan. Doch immer wenn der Hauptdarsteller zum berühmtesten aller Shakespeare-Monologe ansetzt, verlässt ein Mann den Saal. Frechheit! Tura ahnt ja nicht, dass dieser sich zum Stelldichein mit seiner Frau Maria trifft.

Ein Jahr später taucht Marias Verehrer, der mittlerweile Mitglied der polnischen Widerstandsbewegung ist, erneut auf und bittet die Schauspieler um Mithilfe bei einem Spionageauftrag aus England: Er soll einen Professor eliminieren, der die gesamte polnische Untergrundbewegung an die Gestapo verraten will.

Kurzerhand wird das alte Polski-Theater umdekoriert und zum Gestapo-Hauptquartier gekürt, während sich die Schauspielertruppe dank aufwendiger Kostüme in überzeugende Nazis verwandelt. Unvorhergesehene Schwierigkeiten trieben dieses aberwitzige Spiel auf die Spitze und die Schauspieler müssen von nun an im wahrsten Sinne des Wortes um ihr Leben spielen …

SEIN ODER NICHTSEIN ist bei aller Komik vor allem eine Hymne auf die Bedeutung von Humor in den dunkelsten Stunden.